Ein Singkreis mit bekannten Volksliedern bringt Menschen zusammen und weckt Erinnerungen. Hier lesen Sie, wie Sie ihn vorbereiten und Schritt für Schritt leiten.
- Dauer: 30 bis 45 Minuten
- Gruppe: 4 bis 15 Personen
- Material: Liedblätter in großer Schrift, Getränke, optional Gitarre oder Keyboard
- Geeignet für: sitzend, auch bei Demenz
Darum geht es
Gemeinsames Singen gehört zu den Angeboten, die fast überall funktionieren. Viele ältere Menschen haben Volkslieder in der Schule, im Chor, auf Wanderungen oder in der Familie gelernt. Die Melodien sind oft tief verankert und bleiben häufig auch dann abrufbar, wenn anderes schwerer fällt.
Ein Singkreis spricht mehrere Ebenen an: Atmung und Stimme, Erinnerung, Gemeinschaft und Stimmung. Niemand muss gut singen können. Es zählt das Mitmachen. Auch Summen, Klatschen oder Zuhören ist Teilnahme.
Vorbereitung
Wählen Sie acht bis zwölf Lieder aus, die in Ihrer Gruppe bekannt sein könnten. Gut geeignet sind alte, gemeinfreie Volkslieder, zum Beispiel:
- Kein schöner Land
- Der Mond ist aufgegangen
- Am Brunnen vor dem Tore
- Das Wandern ist des Müllers Lust
- Alle Vögel sind schon da
- Ein Jäger aus Kurpfalz
- Die Gedanken sind frei
- Bunt sind schon die Wälder
Für Liedblätter schreiben Sie die alten Texte am besten selbst ab, etwa aus einem eigenen Liederbuch. Drucken Sie in großer Schrift, mindestens 16 Punkt, mit viel Abstand zwischen den Strophen. Ein Lied pro Seite erleichtert die Orientierung. Legen Sie Getränke bereit, denn Singen macht durstig.
Stellen Sie die Stühle im Halbkreis auf, sodass alle Sie sehen können. Eine Gitarre, ein Keyboard oder eine ruhige Aufnahme zur Begleitung hilft, ist aber kein Muss.
So geht es
- Ankommen: Begrüßen Sie jede Person mit Namen. Fragen Sie, wer früher gern gesungen hat.
- Aufwärmen: Schultern kreisen, tief einatmen, auf "mmm" summen, herzhaft gähnen. Das lockert Stimme und Kiefer.
- Leichter Einstieg: Beginnen Sie mit einem sehr bekannten Lied in angenehmer, eher tiefer Tonlage.
- Lied ankündigen: Nennen Sie Titel und Seite deutlich. Summen Sie die erste Zeile vor, damit alle den Ton finden.
- Singen: Singen Sie zwei bis drei Strophen, nicht zwingend alle. Halten Sie Blickkontakt und lächeln Sie.
- Erzählen lassen: Fragen Sie nach jedem zweiten Lied: Wo haben Sie das gelernt? Bei welcher Gelegenheit wurde es gesungen?
- Ruhiger Abschluss: Beenden Sie den Kreis mit einem Abendlied und einem Dank an alle.
Varianten
Leichter
Für Menschen mit fortgeschrittener Demenz reichen drei bis vier Lieder, die Sie mehrfach wiederholen. Verzichten Sie auf Liedblätter. Singen Sie langsam und lassen Sie Pausen zum Mitsummen. Einfache Gesten wie Schunkeln oder Klatschen auf die Knie laden zum Mitmachen ein.
Anspruchsvoller
Fitte Gruppen probieren einen einfachen Kanon oder zweistimmiges Singen. Sie können auch ein Thema wählen, etwa Wanderlieder, Abendlieder oder Lieder der Jahreszeit. Reihum darf jemand ein Wunschlied vorschlagen und erzählen, was er oder sie damit verbindet.
Tipps aus der Praxis
- Singen Sie lieber zu tief als zu hoch. Ältere Stimmen werden meist tiefer.
- Planen Sie höchstens 45 Minuten. Danach lässt die Konzentration oft nach.
- Wer nicht singen will, darf zuhören. Laden Sie ein, drängen Sie nicht.
- Achten Sie auf Atemnot oder Hustenreiz. Bei Atemwegserkrankungen sprechen Sie vorher mit der Pflege.
- Manche Lieder wecken Trauer. Nehmen Sie Gefühle ernst und bieten Sie ein ruhiges Gespräch an.
- Schalten Sie Radio und Fernseher aus und denken Sie an Hörgeräte und Brillen.
Wer gern mit Menschen singt und Gruppen leitet, kann daraus einen Beruf machen. Die Online-Weiterbildung zur Betreuungskraft bei Care-er bietet Live-Unterricht mit Lehrkräften in kleinen Gruppen und ist per Bildungsgutschein förderfähig.
Weitere Ideen
Passend dazu: das Musikquiz für Senioren, Rhythmusspiele mit einfachen Instrumenten und Hinweise zu Musik bei Demenz. Wie Sie den Singkreis fest einplanen, zeigt der Wochenplan für Beschäftigung.