Musik erreicht viele Menschen mit Demenz auch dann noch, wenn Worte schwerer werden. So setzen Sie Musik achtsam und persönlich im Alltag ein.
- Dauer: 10 bis 30 Minuten
- Gruppe: einzeln oder bis 6 Personen
- Material: Abspielgerät, persönliche Musikliste, optional Rassel oder Tuch
- Geeignet für: sitzend oder liegend, bei allen Stufen der Demenz
Darum geht es
Viele Menschen mit Demenz reagieren auf Musik, die sie aus früheren Jahren kennen. Sie summen mit, bewegen die Füße oder lächeln. Musik kann Erinnerungen wecken, Kontakt ermöglichen und zur Entspannung beitragen. Sie ersetzt keine Therapie, ist aber eine wertvolle Brücke im Alltag.
Entscheidend ist, dass die Musik zur Person passt. Was einem Menschen guttut, kann einen anderen stören.
Musik lässt sich gut in den Tagesablauf einbauen: als ruhiger Start in den Morgen, als Begleitung bei der Körperpflege, wenn die Person das mag, oder als kurzer Moment der Zuwendung am Nachmittag. Sie braucht kein großes Programm. Oft genügt ein einziges vertrautes Lied, das Sie bewusst gemeinsam hören.
Vorbereitung
Erstellen Sie eine Musikbiografie. Fragen Sie die Person selbst, Angehörige oder schauen Sie in die Biografiebögen:
- Welche Musik hörte die Person in ihrer Jugend?
- Gab es ein Hochzeitslied, ein Lieblingslied oder ein Kirchenlied?
- Hat sie ein Instrument gespielt oder im Chor gesungen?
- Welche Musik mochte sie gar nicht?
Stellen Sie daraus eine kurze persönliche Liste zusammen. Sorgen Sie für einen ruhigen Raum ohne Fernseher und andere Geräusche.
So geht es
- Setzen Sie sich auf Augenhöhe zur Person und sprechen Sie sie mit Namen an.
- Kündigen Sie die Musik an: "Ich habe ein Lied mitgebracht, das Sie früher gern gehört haben."
- Starten Sie leise und erhöhen Sie die Lautstärke nur langsam.
- Beobachten Sie Mimik, Hände und Atmung. Wirkt die Person entspannt, wach oder unruhig?
- Machen Sie mit: Summen, leicht im Takt wiegen, die Hand anbieten.
- Sprechen Sie nach dem Lied kurz über Erinnerungen, wenn die Person das möchte.
- Beenden Sie nach 10 bis 30 Minuten und halten Sie fest, wie die Person reagiert hat.
Varianten
Leichter
Bei fortgeschrittener Demenz oder Bettlägerigkeit reicht ein einzelnes vertrautes Lied. Summen Sie es selbst leise, während Sie die Hand halten. Das ist oft persönlicher als jede Aufnahme.
Anspruchsvoller
In einer kleinen Gruppe hört jede Person reihum ihr Lieblingslied. Die anderen raten, aus welcher Zeit es stammt. Wer noch gern aktiv ist, kann mit einer Rassel oder Trommel begleiten.
Ruhige, vertraute Musik kann in unruhigen Phasen zur Entspannung beitragen, etwa am späten Nachmittag. Probieren Sie es behutsam aus und brechen Sie ab, wenn die Unruhe zunimmt.
Tipps aus der Praxis
- Musik nie als Dauerberieselung laufen lassen. Pausen sind wichtig.
- Kopfhörer nur einsetzen, wenn die Person sie selbst abnehmen kann und sich wohlfühlt.
- Traurige Reaktionen sind erlaubt. Bleiben Sie da und trösten Sie.
- Bei Herzproblemen, Atemnot oder starker Erschöpfung vorher mit Pflege oder Ärztin sprechen.
- Teilen Sie Beobachtungen mit dem Team, damit alle die passende Musik kennen.
Menschen mit Demenz achtsam begleiten ist eine wichtige Aufgabe. Wer sie beruflich übernehmen möchte, kann sich bei Care-er online zur Betreuungskraft weiterbilden, mit Live-Unterricht in kleinen Gruppen.
Weitere Ideen
Lesen Sie auch die Grundregeln zur Beschäftigung bei Demenz und wie Sie Reaktionen dokumentieren. Für Gruppen eignen sich der Singkreis und Klanggeschichten.