Wer einen älteren Menschen zu Hause begleitet, sucht oft nach Ideen für lange Nachmittage. Mit kleinen Alltagsaufgaben und etwas Struktur entstehen gute gemeinsame Momente.
- Dauer: 10 bis 30 Minuten pro Angebot
- Gruppe: einzeln, zu zweit oder im Familienkreis
- Material: Dinge aus dem Haushalt, Fotos, Musik
- Geeignet für: für pflegende Angehörige, auch bei Demenz
Was Beschäftigung zu Hause besonders macht
Zu Hause gibt es keinen festen Gruppenplan und keine Kolleginnen. Dafür kennen Sie Ihren Angehörigen besser als jeder andere. Sie wissen, welche Lieder er mag, was sie früher gekocht hat und worüber man gemeinsam lachen kann. Das ist ein großer Schatz.
Beschäftigung muss nicht aufwendig sein. Oft sind es die kleinen Dinge, die dem Tag Sinn geben: mithelfen, gefragt werden, etwas Schönes erleben.
Ein großer Vorteil zu Hause: Alles ist vertraut. Die eigene Küche, der Lieblingssessel, die Gartenbank. In dieser Umgebung fällt vielen Menschen das Mitmachen leichter als in einem fremden Raum. Nutzen Sie das und binden Sie Ihren Angehörigen in die Abläufe ein, die er oder sie seit Jahrzehnten kennt.
Einfache Ideen aus dem Alltag
- Mithelfen im Haushalt: Wäsche falten, Socken sortieren, Gemüse putzen, Tisch decken.
- Erinnerungen teilen: Fotoalben ansehen, alte Briefe vorlesen, von früher erzählen lassen.
- Musik: Lieblingslieder hören und mitsingen, im Sitzen dazu klatschen oder schunkeln.
- Natur: Blumen gießen, auf dem Balkon sitzen, Vögel beobachten, einen kurzen Spaziergang machen.
- Kreatives: Malen, ein Rezeptbuch mit Familienrezepten gestalten, Karten für Enkel schreiben.
- Sinne: Handmassage mit Creme, an Gewürzen riechen, weiche Stoffe fühlen.
Eine kleine Kiste mit solchen Dingen hilft, schnell etwas anbieten zu können. Anregungen finden Sie im Beitrag Materialkiste zusammenstellen.
Wichtig ist, dass die Aufgabe echt wirkt. Viele ältere Menschen möchten nützlich sein und nicht nur beschäftigt werden. Sagen Sie also lieber "Kannst du mir beim Kartoffelschälen helfen?" als "Wir machen jetzt eine Übung". Ob das Ergebnis perfekt ist, spielt keine Rolle.
Struktur gibt Halt
Ein grober Tagesablauf hilft, besonders bei Demenz. Feste Zeiten für Mahlzeiten, Ruhe, Bewegung und ein gemeinsames Angebot geben Orientierung. Hängen Sie den Plan gut sichtbar auf. Wie das in Einrichtungen gemacht wird, zeigt der Wochenplan für Beschäftigungsangebote. Davon können Sie sich für zu Hause einiges abschauen.
- Wählen Sie eine feste Tageszeit, zu der Sie gemeinsam etwas machen.
- Beginnen Sie mit einem kleinen Ritual, etwa einer Tasse Tee oder einem Lied.
- Bieten Sie eine Sache an, nicht drei zur Auswahl.
- Beenden Sie das Angebot freundlich und loben Sie die Mithilfe.
Beziehen Sie auch Enkel und andere Verwandte ein. Ein gemeinsames Puzzle, ein Kartenspiel oder ein Videoanruf bringen Abwechslung. Bitten Sie Besucher, vorher kurz zu fragen, wie der Tag bisher war, damit sie sich auf die Stimmung einstellen können.
Halten Sie fest, was gut ankommt. Ein kleines Heft, in dem Sie Lieblingslieder, gute Gesprächsthemen und beliebte Aufgaben notieren, hilft auch anderen, die Ihren Angehörigen betreuen. Das kann eine Nachbarin sein, ein Enkel oder später die Tagespflege.
Sicherheit in der Wohnung
Bei Bewegung besteht Sturzgefahr: Teppichkanten sichern, Übungen lieber im Sitzen machen, feste Schuhe tragen. Messer, Reinigungsmittel und kleine Teile sicher verwahren, wenn Ihr Angehöriger Dinge in den Mund nimmt.
- Bei Essen und Trinken an Schluckstörungen, Diabetes und Allergien denken.
- Bei körperlichen Einschränkungen vorher mit der Hausärztin oder dem Pflegedienst sprechen.
- Beim Kochen und Backen die heißen Arbeitsschritte selbst übernehmen.
Gut für sich selbst sorgen
Begleitung zu Hause ist anstrengend. Sie müssen nicht jeden Tag ein Programm anbieten. Auch gemeinsames Schweigen, ein Blick aus dem Fenster oder ein Nickerchen auf dem Sofa sind in Ordnung. Wenn Ihr Angehöriger nicht mag, respektieren Sie das und versuchen Sie es später noch einmal.
- Nehmen Sie Hilfe von Familie, Nachbarn oder Ehrenamtlichen an.
- Informieren Sie sich bei einer Pflegeberatung über Entlastungsangebote wie Tagespflege.
- Planen Sie feste Pausen nur für sich ein.
Hilfreiche Haltungen für den Umgang mit Demenz finden Sie in den Grundregeln für Beschäftigung bei Demenz.
Viele Angehörige merken mit der Zeit, wie viel Wissen und Gespür sie gesammelt haben. Wer daraus einen Beruf machen möchte, kann sich online zur Betreuungskraft weiterbilden, zum Beispiel bei Care-er, einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger aus Berlin. Mehr dazu lesen Sie unter Beschäftigung zum Beruf machen.