Wer das Bett nicht mehr verlassen kann, verliert schnell den Kontakt zur Welt. Mit kleinen, ruhigen Angeboten holen Sie Abwechslung, Nähe und Sinneseindrücke ans Bett.
- Dauer: 10 bis 30 Minuten
- Gruppe: einzeln
- Material: Handcreme, Duftöle, Musik, Fühlsäckchen, Fotos
- Geeignet für: liegend, auch bei schwerer Demenz
Darum geht es
Bettlägerige Menschen erleben oft lange Stunden ohne Anregung. Die Zimmerdecke, das Ticken der Uhr, die kurzen Momente der Pflege. Einzelbetreuung am Bett schafft Abwechslung und Beziehung. Sie spricht vor allem Tastsinn, Gehör und Geruchssinn an. Es geht nicht um Leistung, sondern um Wahrnehmung und Zuwendung. Schon ein paar Minuten können den Tag spürbar verändern.
Vorbereitung
Sprechen Sie mit der Pflege über Lagerung, Schmerzen, Hautzustand und Tagesform. Fragen Sie nach Vorlieben aus der Biografie: Lieblingsmusik, Beruf, Hobbys. Klopfen Sie an, stellen Sie sich vor und setzen Sie sich auf Augenhöhe.
- Handcreme ohne starken Duft, kleine Duftfläschchen
- Musik zum Abspielen, Lieblingslieder
- Fühlsäckchen mit Kastanien, Reis oder Stoffresten
- Fotoalbum, Postkarten, ein Buch
So geht es
- Begrüßung mit Berührung: Eine Hand auf Unterarm oder Schulter, wenn die Person das mag. Nennen Sie Ihren Namen.
- Handmassage: Mit etwas Creme langsam über Handrücken und Finger streichen.
- Duftreise: Lavendel, Orange oder Kaffee kurz unter die Nase halten.
- Lieblingsmusik: Ein, zwei Lieder aus der Jugendzeit. Summen Sie mit.
- Vorlesen: Kurze Texte, Gedichte oder die Lokalzeitung.
- Fühlsäckchen: Gut vernähte Säckchen in die Hand legen und erkunden lassen.
- Fotos betrachten: Eigene Familienbilder oder Landschaften aus der Heimat.
- Fenster öffnen: Frische Luft, Vogelstimmen, Wetter beschreiben.
- Stoffe fühlen: Samt, Leinen, Wolle nacheinander über die Hand legen.
- Gemeinsam beten oder ein Gedicht sprechen: Wenn es zur Person passt.
- Jahreszeit ins Zimmer holen: Einen Zweig, einen Apfel oder Schnee in einer Schale zeigen.
- Einfach da sein: Die Hand halten und schweigen. Auch das ist Betreuung.
Varianten
Leichter: Bei sehr geschwächten Menschen nur eine Idee wählen, etwa leise Musik und eine Hand auf dem Arm. Achten Sie auf Atmung und Mimik.
Anspruchsvoller: Wer geistig wach ist, freut sich über Gespräche zu aktuellen Themen, ein Kreuzworträtsel zum Vorlesen oder ein Hörbuch in Fortsetzung. Auch kleine Aufgaben wie Wäsche falten auf dem Betttisch geben das Gefühl, nützlich zu sein.
Lagerung und Bettgitter nicht selbst verändern, sondern mit der Pflege absprechen. Bei Hautschäden keine Creme auftragen. Duftöle sparsam und nur nach Rückfrage zu Allergien. Fühlsäckchen fest vernähen und nicht bei Menschen nutzen, die Dinge in den Mund nehmen.
Tipps aus der Praxis
Lesen Sie die Signale der Person. Ein Lächeln, ein entspanntes Gesicht oder ein ruhigerer Atem zeigen, dass das Angebot gut tut. Abwenden, Stirnrunzeln oder Unruhe bedeuten: Pause oder etwas anderes probieren. Kein Zwang. Kommen Sie lieber öfter und kürzer als selten und lange.
Feste Zeiten geben Halt. Die Person kann sich auf Sie freuen. Halten Sie fest, was gut ankam, damit Kolleginnen daran anknüpfen können, siehe Beschäftigung dokumentieren. Grundlagen zur Begleitung bei Demenz finden Sie unter Grundregeln.
Denken Sie auch an sich. Begleitung am Bett kann berühren, besonders am Lebensende. Sprechen Sie im Team darüber, was Sie erleben.
Einzelbetreuung am Bett gehört zu den Kernaufgaben von Betreuungskräften. Wer sich dafür qualifizieren möchte, kann die Online-Weiterbildung bei Care-er besuchen, mit Live-Unterricht und Förderung per Bildungsgutschein.
Weitere Ideen
Kurze Einheiten für den Alltag finden Sie unter 10-Minuten-Aktivierungen am Bett. Bei schwerer Demenz helfen die Ideen in Einzelbetreuung bei fortgeschrittener Demenz.